Im Oktober 2004 ist unsere Freundin, die spanische Journalistin Marta Jansana-Schumacher (s. Foto), die in Hamburg lebt und arbeitet, nach Cuzco gereist.
Während ihres vierwöchigen Aufenthalts hat sie unter anderem das Ärzteteam unseres Gesundheitspostens begleitet und an unserer Schule “San Martin de Porras” unterrichtet.

Sie ist unserer Bitte, ihre Erlebnisse schriftlich festzuhalten, damit wir Ihnen auf diese Weise aktuelle Informationen aus erster Hand über den Stand unserer Projekte übermitteln können, gerne nachgekommen. Hier können Sie ihren Reisebericht lesen:


Marta Jansana-Schumacher im Oktober in Perú

Kleine Schritte der Hoffnung in Cuzcos Andendörfern

Reisebericht von Marta Jansana-Schumacher, Oktober 2004

(aus dem Spanischen übersetzt von Andreas Grossmann)


 

      Ihre Gesichter sind verbrannt von der Hitze der Sonne in den Anden, ihre mandelförmigen Augen blicken traurig und spiegeln Erschöpfung und fehlende Hoffnung in einer wenig ermunternden Zukunft wider. Es sind mehrheitlich Frauen, einige kommen alleine, andere werden von ihren Kindern begleitet und umringt.

      Nur wenige Männer sind mitgekommen; die meisten wagen es nicht, ihre tägliche Arbeit auf den kargen Feldern lange zu vernachlässigen. Und so kommen sie beim Lärm der Hupe, der sie aus ihrer Lethargie weckt, den Insassen des roten Geländewagens langsam näher – schweigend, hin und hergerissen zwischen ihrer Neugier und ihrer Schüchternheit.

Mit dem Ärzteteam unterwegs in den Anden

Das Ärzteteam ist eingetroffen

      Ein Team von Spezialisten, ein Arzt, ein Zahnarzt und sechs Krankenschwestern, betreut abwechselnd neun der hoch in den peruanischen Anden gelegenen Dörfer, deren sanitäre Erschließung beinahe unmöglich scheint.

Team von Spezialisten

      Die Idee stammt von Padre Nicanor Acuña, Pfarrer der Provinz Anta in der Nähe der Stadt Cuzco, der die Notwendigkeit sah, die Unzulänglichkeiten des Gesundheitsministeriums aufzufangen. 1984 lernte er den deutschen Kinderarzt Wolf Schenck kennen, den es sehr interessierte, in den Gemeinden zu arbeiten. “Medico” Wolf ist Mitglied der Gruppe “Ayuda – Kinderhilfe in Perú, e.V.”.

      Zu Beginn konnten wegen fehlender Mittel nur sporadische Besuche durchgeführt werden, da die Anreise in die entlegenen Dörfer sehr schwierig ist. Mittlerweile werden die Gemeinden regelmäßig besucht. Jetzt verfügen die Ärzte über einen Geländewagen, eine Spende der deutschen Gruppe „Ayuda – Kinderhilfe in Perú, e.V.“.

Mit dem "carro rojo" zu den Patienten

Eine Mutter wartet mit ihrem Baby auf die Behandlung

      George Figueroa ist als peruanischer Arzt verantwortlich für die außerstädtische medizinische Behandlung und leitet und organisiert die Sprechstunden in den Dörfern. Ausgehend vom Pfarrzentrum St. Belén haben es sich die Beteiligten des Projektes zur Aufgabe gemacht, eine medizinische Versorgung für die umliegenden Dörfer Antas zu etablieren und diesen Einsatz „im Sinne der Gesundheitsförderung, mit dem Geist der Solidarität, mit Qualität, Gerechtigkeit und Nächstenliebe durchzuführen“ und voranzutreiben.

Gesundheits-
förderung mit
Qualität

      Die Frauen aus dem Hochland beginnen, sich an den monatlichen Besuch des Gesundheitsteams zu gewöhnen. Mit hoffnungsfroher Gewissheit empfangen sie den Arzt, die Krankenschwestern und alle zwei Monate auch den Zahnarzt. Es macht ihnen nichts aus, lange warten zu müssen, bis sie behandelt werden. Geordnet warten sie draußen vor der Hütte, die als Ambulanz dient. Obwohl es manchmal viele sind, hört man sie kaum. Ihre unsicheren, neugierigen Blicke bleiben geduldig. Ihr gelassener Charakter lässt sie die Ruhe bewahren, während sie mit den anderen Frauen, Müttern, Großmüttern und Kindern des Dorfes die Wartezeit verbringen.

Patienten warten geduldig

Zahnbehandlung

      Aufmerksam folgen sie der Ansprache des Arztes und der Krankenschwester, bevor die Sprechstunde losgeht. Diese sprechen zu ihnen in der Indiosprache Quechua und erklären ihnen detailliert, was ihren Kindern bei fehlerhafter Ernährung widerfahren kann und woher die Atemwegserkrankungen rühren, die sie belasten.

      Jedes Gespräch dauert ungefähr eine Viertelstunde und endet mit der “strengen” ärztlichen Aufforderung, den nächsten Besuch nicht zu versäumen. Es wird wiederholt, dass die Medikamente kostenlos sind. Alle nicken mit dem Kopf und blicken auf den Boden, auf diesen kargen Boden, der ihnen praktisch nichts bietet, der sie straft und mit der Härte des trockenen, kaum fruchtbaren Klimas schlägt.

Medizinische Unterweisung + kostenlose Medikamente

      Die Einwohner der Dörfer Casacunca, Pancarhuaylla, Colcabamba, Accoracay, Huamanchacona, Uratari, Charo, Pampahuaylla und Zurite sind Mestizen. 95 % von ihnen widmen sich der Landwirtschaft, 30 % der Viehzucht und fünf Prozent sind Händler.

      Die Armutssituation, der diese Menschen in einer Höhe zwischen 3.300 und 4.200 Meter über dem Meeresspiegel ausgeliefert sind, ist besorgniserregend. Nur fünf Prozent der Haushalte verfügen über eine Trinkwasserversorgung, fünf Prozent über ein Abwassersystem und 70 % über Elektrizität.

Besorgnis-
erregende Armut

Kinder warten mit ihren Müttern während der Schulpause

      50 Lehrer erteilen 1.754 Schülern in den umliegenden Dörfern Unterricht, von der Vorschule über die Grundschule bis hin zur weiterführenden Schule. Die Wände der Schule sind dekoriert mit Zeichnungen, Schleifen und bunten Bildern. Tatsächlich besitzen die Schüler kaum Schulsachen. Ihre misstrauischen Gesichter, abgespannt aufgrund der fehlenden glücklichen, zufriedenen Kindheit, ruhen niedergeschlagen auf all dem, was sich ihnen zum ersten Mal nähert. Sie trauen sich kaum, Spanisch zu sprechen.

      Während der Pause suchen sie ihre Mütter, jene Frauen, die geduldig vor der Tür der Ambulanz darauf warten, untersucht zu werden. Genau wie ihre Eltern lassen sie sich ganz ruhig untersuchen, ohne zu weinen. Nur ihr Blick ist beunruhigt.

Schüler besitzen
kaum Schulsachen

      „Die Gruppe der Krankheiten wird zu 48,5 % angeführt von Erkrankungen der Atemwege, gefolgt von Infektionen und Parasitenbefall, in beiden Geschlechtern in ähnlicher Proportion“, erklärt Figueroa. Im Durchschnitt werden pro Besuch 35 Patienten behandelt. „Aufgrund der Tatsache, dass die Frauen nur selten Gelegenheit haben, zum Arzt zu gehen, stellen viele von ihnen ihre eigene Diagnose. Durch sichere Anpassungsfähigkeit lernen sie, sich mit ihren eigenen Mitteln zu helfen. Dennoch schenken sie der medizinischen Fürsorge, die wir ihnen bringen, Hoffnung und Glauben, weil sie wissen, dass sie in der Stadt dafür bezahlen müssten,“ ergänzt er.

Häufigste Er-
krankungen

Untersuchung

      „Wir bringen alle Arten von Medikamenten kostenlos mit. Die Hauptquelle der Spender liegt in Deutschland, etwa 80 % der Medikamente kommen von dort, 20 % kommt von Spenden der Pfarre und von Akquisitionen.“

      In den Andendörfern arbeiten Hebammen, Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte, die sich um die Patienten kümmern, überwiegend Frauen zwischen 20 und 65 Jahren und Kinder im Alter von fünf bis neun Jahren.

Medikamente aus
Deutschland

      Noch immer bleibt ein langer Weg, der zurückgelegt werden muss. Das Gesundheitsteam hat ehrgeizige Pläne, die es realisieren will, ohne sich entmutigen zu lassen: wie zum Beispiel eine Praxis in einem der Dörfern aufzubauen, die als Sitz für die anderen Gemeinden dienen soll oder einen Raum einzurichten, in dem Schüler die Möglichkeit haben, am Computer zu arbeiten.

      Sie wissen, dass es eine Frage der Zeit ist, einer langen Zeit. „Vielleicht erreichen wir jetzt nicht viel, indem wir sie besuchen, aber wir erreichen etwas, wenn den Kindern ihrer Kinder mehr und mehr bewusst wird, wie wichtig die Hilfe ist, die sie verpflichtet sind in Anspruch zu nehmen, um gesund zu sein,“ folgert eine Krankenschwester.

Ausblick auf
die Zukunft

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